Bezugssystem am Teil: welche Flächen Bezug sind
Ohne Bezugssystem bleibt jeder Winkel offen. Wie A, B und C festgelegt werden und was in die Anfrage gehört.
Bezugselemente A, B, C: Reihenfolge und Wirkung
Ein Bezugssystem besteht aus bis zu drei Bezugselementen, die in der Zeichnung mit A, B und C benannt und in dieser Reihenfolge genannt werden. Es ist das Gerüst, auf das sich Winkel, Maße und Lagetoleranzen stützen. Normbezug sind ISO 1101 für die Angaben und ISO 5459 für die Bezüge selbst.
Die Reihenfolge ist Teil der Aussage. Das primäre Bezugselement A legt die Lage des Teils am gründlichsten fest, in der Regel eine ausgedehnte, plane Fläche. Das sekundäre B ergänzt sie, indem es das Teil in einer weiteren Richtung ausrichtet, das tertiäre C schließt die letzte offene Richtung. Tauschen A und B die Plätze, gilt eine andere Zeichnung, obwohl alle Flächen gleich bleiben.
Für jede Anfrage mit fünf Achsen heißt das: Ohne Bezugssystem lässt sich ein Winkel nicht eindeutig verstehen, und ohne eindeutigen Winkel kann ein Angebot weder die Zahl der Lagen noch das Umspannen sicher beurteilen. Das Bezugssystem steht deshalb vor der Frage, wie viele Achsen nötig sind.
Drei Bezüge, drei Aufgaben
- A: die Hauptfläche, auf der das Teil im Zweifel aufliegt
- B: eine zweite Fläche oder Kante, die die Richtung festlegt
- C: eine dritte Fläche, die die letzte offene Richtung schließt
- Reihenfolge A–B–C gehört fest zur Zeichnung
Das Bezugssystem kommt vor dem Winkel
Ein Winkel ist nur zusammen mit dem Element vollständig, gegen das er gilt. „45° geneigt“ sagt nicht, wogegen geneigt wird; „45° gegen Bezug A“ sagt es. Deshalb legt eine saubere Zeichnung zuerst das Bezugssystem fest und schreibt jeden Winkel gegen ein benanntes Element.
Das gilt besonders für Teile mit mehreren geneigten Flächen. Stehen alle Winkel gegen dasselbe Bezugselement, sind sie untereinander vergleichbar und lassen sich einer Lage zuordnen. Stehen sie gegen verschiedene Elemente, muss die Zeichnung auch deren Lage zueinander angeben. Wie aus zwei Projektionswinkeln ein eindeutiger Winkel im Raum wird, rechnet die Seite Schräge Winkel eindeutig bemaßen vor.
Rohteilannahme
Das Rohteil ist größer als das Fertigteil. Wenn die Zeichnung nur das Fertigteil zeigt, nimmt ein Angebot eine Rohteilgröße an. Sinnvoll ist es, die Bezugsfläche am Rohteil zu kennzeichnen, also die Fläche, an der das Teil zuerst ausgerichtet wird. So bleibt nachvollziehbar, woher die Bezüge A, B und C am fertigen Teil stammen. Bei einem Gussteil oder einem Zuschnitt mit Aufmaß kommt hinzu, dass die erste Aufspannung meist nur das Rohteil ausrichtet; erst danach entstehen die Bezugsflächen des Fertigteils.
Ein Beispiel: dieselbe Angabe ohne und mit Bezugssystem
Eine ausgedachte Platte mit einer geneigten Fläche und einer Bohrung. Links steht, was in einer lückenhaften Zeichnung zu lesen wäre, rechts die vollständige Fassung.
| Angabe | ohne Bezugssystem | mit Bezugssystem |
|---|---|---|
| geneigte Fläche | „Fläche 30° geneigt“ | „30° gegen Bezug A“, Fläche an der Stirnseite |
| Bohrung | „Bohrung Mitte“ | Abstand von Bezug B und von Bezug C, Eintrittsfläche benannt |
| Lage zur Nachbarfläche | „parallel“ | Lageangabe mit A–B im Toleranzrahmen, Wert aus der Konstruktion |
Die Platte ist nur ein Muster für das Vorgehen. Aus der linken Spalte kann ein Angebot nichts ableiten, aus der rechten die Zahl der Lagen, die Bezugsflächen und die Reihenfolge, in der die Flächen zueinander ausgerichtet werden müssen.
„5D“ und „6 Achsen“ in Anfragen: was am Teil zählt
In Anfragen und Suchbegriffen tauchen Zahlwörter auf, die uneinheitlich gebraucht werden: „5D“, „6 Achsen“, „fünf plus eins“. Eine feste Bedeutung haben sie nicht, und sie legen das Teil auch nicht fest. Zwei Anfragen mit demselben Zahlwort können ganz verschiedene Teile meinen.
Beschreiben Sie das Teil deshalb über Bezugssystem, Winkel und Merkmale: welche Flächen geneigt sind, gegen welches Bezugselement, welche Hinterschnitte es gibt und welche Flächen zueinander ausgerichtet sein müssen. Das ist genauer als jede Zahl. Eine Übersicht der Begriffe gehört nicht auf diese Seite. Wer unsicher ist, ob ein Zahlwort aus einem fremden Angebot zum eigenen Teil passt, fragt am besten zurück, welche Flächen, Winkel und Bezüge damit gemeint sind; die Antwort lässt sich dann in die eigene Zeichnung übernehmen.
Das Bezugssystem in der Anfrage
Benennen Sie das Bezugssystem im Anschreiben oder im Nachrichtenfeld mit einem Satz je Element: „A ist die Auflagefläche, B die linke Längskante, C die Stirnfläche.“ Kennzeichnen Sie außerdem die Hauptbezugsfläche im Modell, damit Zeichnung und STEP-Datei dasselbe zeigen.
Ist das Bezugssystem nicht erkennbar, fragen wir danach, bevor ein Angebot entsteht.
Häufige Fragen
Solche Zahlen sind uneinheitlich gebraucht. Beschreiben Sie das Teil über Bezugssystem, Winkel und Merkmale; die Zahl allein legt das Teil nicht fest.
Verfasst von der Evotec GmbH, Arnsberg · Stand 03.10.2026
Einschätzung liegt vor? Dann schicken Sie uns das Teil.
Modell, Zeichnung und das Ergebnis der Entscheidungshilfe reichen für die erste Anfrage. Was noch offen ist, klären wir mit Gegenfragen vor dem Angebot.