Ein Angebot der Evotec GmbH, Arnsberg

Hinterschnitte und verdeckte Flächen

Hinterschnitte, Schrägbohrungen und Freiformflächen erzwingen fünf Achsen, wenn sich ihre Flächen mit drei Achsen nicht mehr aus einer festen Richtung erreichen lassen. Für jede Fläche gibt es eine Menge von Richtungen, aus denen ein Werkzeug sie erreicht. Bei einem Hinterschnitt gehört die Hauptrichtung nicht dazu, weil Material davor liegt. Die Zugänglichkeit ist also ein Mengenproblem: Die Frage lautet nicht, ob eine Fläche erreichbar ist, sondern aus welchen Richtungen.

Drei Achsen kennen im Wesentlichen eine Richtung je Aufspannung. Ein Hinterschnitt verlangt dann eine zusätzliche Lage, und jede zusätzliche Lage ist eine Umspannung mit allem, was sie kostet: Zeit, ein zusätzlicher Spannvorgang und ein Lagefehler zwischen den Flächen davor und danach.

Die Konstruktion hat Alternativen. Der Hinterschnitt lässt sich oft durch eine größere Öffnung vermeiden, durch eine Teilung des Teils in zwei Bauteile oder durch einen separaten Einsatz, der die verdeckte Fläche trägt. Ob das sinnvoll ist, hängt von der Funktion ab; die Entscheidung liegt beim Konstrukteur, die Rückfrage im Angebot hilft sie zu treffen.

Würfelteil mit Schrägbohrung und Zugangsrichtungen Schemaskizze: Ein Würfel mit einer geneigten Bohrung in der Oberseite. Pfeile zeigen die Zugangsrichtungen von oben, von der Seite und die geneigte Richtung, aus der die Bohrung in einer Lage erreichbar ist. von oben von der Seite geneigte Richtung Dieselbe Bohrung: aus der Hauptrichtung nicht erreichbar, aus der geneigten Richtung in einer Lage.
Skizze: Würfelteil mit Schrägbohrung, die Pfeile zeigen Zugangsrichtungen. Schema, kein Teil aus einer Lieferung.

Schrägbohrungen und angestellte Flächen

Die Achse einer Schrägbohrung steht schief zur Bezugsfläche, eine angestellte Fläche liegt in einem Winkel zu ihr. Beides ist eine Winkellage zu einer oder mehreren Flächen, und beides bleibt unproblematisch, solange der Winkel zu genau einer Fläche gehört und eine Seite genügt.

Dann kann eine Winkelaufspannung ausreichen, also eine Vorrichtung, die das Teil im passenden Winkel hält: Das Teil wird einmal schräg gespannt, und die geneigte Fläche liegt dort, wo sonst eine ebene läge. Diese Lösung ist Verfahrenswissen und keine Aussage über das, was für ein bestimmtes Teil gewählt wird.

Schwieriger wird es, wenn mehrere Neigungen zusammenkommen, die zueinander in festem Lagebezug stehen. Jede müsste dann in einer eigenen Winkelaufspannung entstehen, und der Bezug zwischen ihnen hängt an jedem Wechsel. Genau hier kippt die Abwägung zugunsten von fünf Achsen: nicht wegen der Schräge, sondern wegen der Zahl der Lagen und des Lagebezugs zwischen ihnen.

Zwei Fragen, die weiterhelfen

  1. Wie viele verschiedene Neigungen hat das Teil, und liegen sie auf einer Seite oder auf mehreren?
  2. Müssen die geneigten Flächen zueinander ausgerichtet sein, oder genügt es, wenn jede für sich stimmt?

Sind es wenige Neigungen auf einer Seite ohne gemeinsamen Lagebezug, genügen drei Achsen meist. Wie Winkel in der Zeichnung eindeutig angegeben werden, beschreibt die Seite Winkel eindeutig bemaßen.

Freiformflächen: Hinweis auf die Weiche

Freiformflächen sind doppelt gekrümmt, sie enthalten in keiner Richtung eine gerade Linie. Typische Beispiele sind Schaufelflächen oder organisch geformte Gehäuseteile. Für sie stellt sich nach der Frage nach der Achszahl eine zweite: ob die Fläche mit festem Winkel oder mit laufend veränderter Neigung entsteht (auch „simultan“ genannt).

Diese Folgefrage entscheidet sich je Fläche und nicht für das ganze Teil; sie ist nicht Gegenstand dieser Seite. Die Entscheidungshilfe gibt bei doppelt gekrümmten Flächen deshalb einen Hinweis aus und hebt das Ergebnis mindestens auf Gelb.

Was 5-Achs-Fräsbearbeitung am Teil verlangt

Statt eines Adjektivs wie „komplex“ hilft in der Anfrage eine Liste der Merkmale, die für fünf Achsen sprechen:

  • geneigte Flächen und Bohrungen mit Winkel und Bezugselement
  • Hinterschnitte mit einer eigenen Ansicht oder einem Schnitt
  • Flächen auf verschiedenen Seiten mit engem Lagebezug, samt Bezugssystem
  • doppelt gekrümmte Flächen als Flächenmodell im STEP-Format
  • tiefe, schmale Bereiche mit Tiefe und kleinstem Radius

Mit dieser Liste kann ein Angebot am Teil klären, welche Achszahl es verlangt, statt sie zu raten.

01

Eine Neigung, eine Seite

Eine einzelne geneigte Fläche, deren Winkel bekannt ist und die zu keiner anderen Fläche in engem Bezug steht, lässt sich meist mit einer Winkelaufspannung erreichen.

02

Neigungen ohne gemeinsamen Bezug

Müssen die geneigten Flächen nicht zueinander ausgerichtet sein, darf jede in ihrer eigenen Lage entstehen. Der Lagefehler zwischen den Lagen spielt dann keine Rolle.

03

Flache Taschen

Tiefe allein erzwingt keine fünf Achsen. Entscheidend ist, ob der Boden aus einer Richtung erreichbar bleibt; flache und weite Taschen sind es.

Die Entscheidungshilfe gewichtet genau diese Unterschiede: Sie zählt Aufspannungen, Lagebezug und die Zahl der Neigungen und macht sichtbar, wo ein Teil zwischen den Stufen liegt.

Häufige Fragen

Hinterschnitte, mehrfach geneigte Flächen und enge Lagebezüge über mehrere Seiten.

Nein. HSC beschreibt ein Fräsverfahren mit hoher Schnittgeschwindigkeit, nicht die Achszahl. Die Zeichnung legt das Ergebnis fest, nicht das Verfahren.

Verfasst von der Evotec GmbH, Arnsberg · Stand 03.10.2026

Einschätzung liegt vor? Dann schicken Sie uns das Teil.

Modell, Zeichnung und das Ergebnis der Entscheidungshilfe reichen für die erste Anfrage. Was noch offen ist, klären wir mit Gegenfragen vor dem Angebot.

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